Nur weil wir Dinge nicht sehen, bedeutet das nicht, dass sie nicht existieren.
Neulich war ich für einen Kundenauftrag in Hamm und entdeckte einen Bauernhof mit drei riesigen Schornsteinen in der Nähe. Mein erster Gedanke war: „Oh mein Gott, in diesem Haus möchte ich
niemals leben. Der Blick auf diese Schornsteine würde mich depressiv machen und ich hätte ständig das Gefühl, schlechte Luft einzuatmen.“ Doch je mehr ich darüber nachdachte, desto
klarer wurde mir: Das ist totaler Schwachsinn.
Diese Schornsteine stoßen zwar Abgase aus, die ziemlich wahrscheinlich auch bis nach Dortmund und auch in Castrop-Rauxel verbreitet werden, aber überall in Deutschland, ja, weltweit,
finden wir solche Schornsteine. Alles, was dort herauskommt, verteilt sich über die Luft, und je nach Windlage erreicht es uns oder nicht. Zu Hause bilde ich mir ein, frische Luft zu atmen,
einfach weil ich die Schornsteine nicht sehe.
Das erinnerte mich an eine Kundin, die ihre Unordnung gerne unter einem Laken versteckte. Auf den ersten Blick wirkt alles ordentlich, doch nur weil wir es nicht sehen, heißt das nicht, dass es
nicht da ist. Diese Mentalität – „aus den Augen, aus dem Sinn“ – gilt für viele Aspekte unseres Lebens.
Wir bewahren die Erinnerung an Menschen in unserem Herzen, doch viele unangenehme Wahrheiten verdrängen wir schnell. Wir ignorieren, wo unsere Lebensmittel wirklich herkommen, wie Batterien
abgebaut und hergestellt werden oder wie der Müll letztlich entsorgt wird. Auch wenn wir wissen, was den Tieren in der Massentierhaltung widerfährt, kümmert es uns oft nur, solange wir nicht
direkt damit konfrontiert werden. So funktioniert Wahrnehmung.
Es ist ähnlich bei traumatischen Erlebnissen oder schwierigen Erfahrungen, die uns prägen. Viele Menschen sehen die offensichtlichen Probleme nicht, weil sie sie aus ihrer Wahrnehmung ausblenden.
Es ist anstrengender, sich mit der Herkunft von Lebensmitteln, der Art ihrer Herstellung oder dem eigenen Kochverhalten auseinanderzusetzen, als einfach wegzuschauen.
Das gleiche gilt für die Persönlichkeitsentwicklung. Sich mit den eigenen Themen, der Vergangenheit oder der Heilung zu beschäftigen, erfordert Mut und
Engagement. Doch wie eine gesunde Ernährung und bewusster Konsum ein besseres Leben ermöglichen können, gilt das auch für unsere psychische Gesundheit.
Frage dich selbst: Woher kommen deine bewusst wahrgenommenen und unbewussten Probleme?
Was kannst du verändern, um ein selbst bestimmtes Leben zu führen?
Wir kommen nackt und rein auf die Welt, und dann werden wir von unseren Eltern, unserem Umfeld und unserer Erziehung geprägt, geformt und beeinflusst.
Die Frage ist:
Bist du der Mensch, der du sein möchtest?
Wie möchtest du sein?
Was würdest du gerne ändern?
Wer sind deine Vorbilder?
Welche Eigenschaften hättest du gerne, aber glaubst, niemals erreichen zu können?
So wie Wissen eine Holschuld ist, ist auch dein Leben eine Holschuld. Du allein bist dafür verantwortlich. Du kannst dir die Möglichkeit
geben, dich zu verändern und dich selbst zu motivieren. Dabei gilt: Nichts ändert sich, es sei denn, ich ändere mich. Alles ändert sich, sobald ich mich
ändere. Mein Leitspruch seit meiner ersten Therapie führt mir immer wieder vor Augen, dass alles in meinem Leben sich verändern kann, sobald ich bereit bin, mich zu
verändern.
Ich bin der Macher meines Lebens. Nur ich habe die Macht, mich selbst zu ändern, an mir zu arbeiten, mich zu reflektieren und zu hinterfragen. Ich muss aufhören, meine Augen vor den Dingen zu
verschließen, die ich nicht sehen möchte. Denn wie bei den Schornsteinen: Nur weil wir sie nicht sehen und sie uns nicht bewusst sind, bedeutet das nicht, dass sie nicht existieren.
Deshalb ist es wichtig, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen und aktiv an der eigenen Entwicklung zu arbeiten. Reflektiere über deine Wünsche und Ziele. Frage dich selbst,
welche Veränderungen notwendig sind, um das Leben zu führen, das du dir wünschst. Nur durch diesen Prozess der Selbstreflexion und die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene
Leben zu übernehmen, kannst du die Person werden, die du wirklich sein möchtest.
Bereite dich darauf vor, dich den „Schornsteinen“ in deinem Leben zu stellen – den unangenehmen Wahrheiten, den unverarbeiteten Erlebnissen und den Störungen, die deine Sichtweise prägen.
Denn am Ende liegt es an dir, dein Leben zu gestalten und die Veränderungen herbeizuführen, die du dir wünscht.
Nur du kannst daran arbeiten, du zu der besten Version deiner selbst werden und in eine Zukunft blicken, die du bewusst erschaffst.
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